Wie leben die “Schweine der Zukunft”?

Um der Lösung dieser Frage ein wenig näher zu kommen, wurde am 26. Februar 2024 feierlich der neue „Stall der Zukunft“ auf Haus Düsse offiziell eröffnet. Neben den konventionellen und ökologischen Schweineställen  steht am Versuchs- und Bildungszentrum der Landwirtschaftskammer NRW nun auch ein futuristischer Neubau. 2019 gab das Landwirtschaftsministerium im Rahmen der Nutztierstrategie den Stall in Auftrag – nun konnten ihn am 05. Und 06. März auch alle Landwirte und weitere interessierte Besucher in Augenschein nehmen.

Der neue Stallkomplex, in den das Land NRW insgesamt 3,6 Mio. Euro investiert hat, besteht aus zwei Funktionsbereichen mit unterschiedlichen Forschungsansätzen. Diese sollen dazu dienen, die Anforderungen in puncto Tierwohl, Umweltschutz, Baurecht und Ökonomie möglichst optimal in Einklang.

Im „Evolutionären Stall“, der sich an den bestehenden Vorgaben der Haltungsform „Frischluftstall“ orientiert, ist Platz für rund 400 Tiere. In der Stallmitte befindet sich ein mit Spaltenboden ausgestalteter Bewegungs- und Fressbereich. Mittig befinden sich Rohrbreiautomaten und Tränken, unter den Spalten befördert ein Schieber den Kot der Tiere in einen Container nach draußen, der Harn wiederum fließt durch eine Rinne separat ab.

Durch den offenen Giebel des Daches, Öffnungen im First und unter den Traufen schafft der Stall einen Außenklimareiz, der aber besser vor Vögeln und Wildschweinen schützt als ein „echter“ Auslauf. Das sorgt für verbesserte Biosicherheit. Auch Abluft, Lärm- und Staubbelastung tritt nur kontrolliert in die Umwelt ab. Die seitlichen Liegebereiche habe niedrigere Decken und planbefestigte Böden, die leicht eingestreut werden. So erwärmt sich die Luft in den Liegebereichen schneller. Durch die Luftführung unter dem Liegebereich lässt sich dieser im Sommer abkühlen. Dass soll das Abkoten der Tiere in diesem Stallbereich verhindern, so dass die Funktionsbereiche erhalten bleiben.

Der „Revolutionäre Stall“ geht bezüglich des futuristischen Konzepts noch einen Schritt weiter. Mit Platz für rund 250 Tiere steht hier das Konzept „Auslauf/Weide“ im Vordergrund der Idee. Der Liegebereich hier, der ebenfalls leicht mit Stroh gestreut werden wird, verfügt über eine Fußbodenheizung und passt die Temperatur der planbefestigen Liegefläche dank der Abwärme aus der Düsser Biogasanlage optimal an. Planbefestigt ist auch der mit Trockenfutterautomaten und Tränken versehene Fressbereich.

Auf der „Schweinetoilette“ transportiert ein  perforiertes Förderband Kot, Stroh und Feststoffe in einen Kanal, von dort geht es mit einer Schnecke in den Mistcontainer. Durch Löcher im Förderband kann der Harn hier ebenfalls vorher abfließen. Durch Kontaktgitter in diesem Bereich des Stalls sollen die Schweine hier zusätzlich zum Abkoten animiert werden.  Schweinisch geht’s weiter im neuen Stall der Zukunft: Durch sog. „Rüsseltüren“ können die Schweine in den mit Hackschnitzeln gefüllten  „Wühlgarten“ gelangen. Hier wird mit unterschiedlichen Streustärken (60 und 20 cm) getestet, wie gut die Tiere das Hackschnitzelbett zum Wühlen akzeptieren, aber auch, wie sich Entmistung und Abluftführung für dieses Angebot gestalten lässt. Auch unter den Schnitzeln kann nämlich die Luft abgesaugt werden, und die Schnitzel fungieren so als eine Art Biofilter.

In der Mitte des Stalls trennen bepflanzte Beete die beiden Wühlbereiche“, und wenn man von dort nach oben schaut, sieht man die wohl größte Innovation an diesem Stall: Das Dach – wie in einem Gewächshaus vollständig aus Glas und vollständig zu öffnen.  So können die Schweine Kontakt zu allen Wetterbedingungen bekommen, können aber auch durch Sonnensegel und Windnetzte geschützt werden. Bei Extremwettern lässt sich das Dach auch wieder verschließen.  Geplant ist, dass das gesamte Stallklima mit Fußbodenheizung, Kistenabdeckungen und Dachkonstruktion bald durch die Daten aus der benachbarten Wetterstation vollautomatisch gesteuert werden kann.        

Natürlich hat so viel futuristisches Denken seinen Preis, und der Stall, in dem im Moment noch Fachbesucher und keine Schweine ihre Runden drehen, wird in dieser Form für die Praxis wohl nie so gebaut werden. Aber darum geht es ja auch nicht. Es geht um wichtige Erkenntnisse für die Schweinehaltung. So können sich Landwirte aus den Ergebnissen der Versuche am Ende die Elemente zusammenstellen, die sie in ihrem Stall zu Hause praktikabel umsetzen können. Damit Sie auch in Zukunft nicht nur höchste Anforderungen an Tierwohl, Umweltschutz, Baurecht und Ökonomie erfüllen können, sondern auch die Akzeptanz und das Verständnis in der Bevölkerung für die Tierhaltung erhalten und verbessern. Besucher des Haus Düsse können über eine Außentreppe durch die Glasfront in den Stall sehen, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden lang – schauen Sie doch mal vorbei, es lohnt sich!

Abbildungen: Landwirtschaftskammer NRW & Topigs Norsvin

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