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Effektives Management tragender Sauen in Gruppenhaltung

Von Julia Linck Moroni, Managerin des globalen Fütterungs- und Reproduktionsservice

Die Gruppenhaltung von tragenden Sauen gilt mittlerweile als die tierwohlgerechte Alternative zur traditionellen Haltung in Kastenständen, da sie den Sauen mehr Bewegung, soziale Interaktion und das Ausleben ihrer natürlichen Verhaltensweisen ermöglicht.

Sie bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich, wie soziale Aggression unter den Schweinen oder Rangkämpfe um Ressourcen wie Futter, Wasser und Liegefläche. Ein effektives Management, z. B. eine angemessene Raumaufteilung, durchdachte Gruppenbildung und gut geplante Fütterungsstrategien, ist entscheidend, um sowohl das Wohlbefinden der Tiere als auch die Produktivität der Herde zu verbessern.

Julia Linck Moroni ist Spezialistin für weibliche Reproduktion und Managerin des globalen Fütterungs- und Reproduktionsservice bei Topigs Norsvin. Sie bietet internationale technische Unterstützung für die weibliche Reproduktion in Amerika und arbeitet mit ihrem Team an der Entwicklung von Empfehlungen und Protokollen zur Optimierung der Fruchtbarkeitsergebnisse. Julia arbeitet durch ihre Praxiserfahrungen zudem eng mit der Forschungsabteilung von Topigs Norsvin für den Bereich weibliche Fruchtbarkeit zusammen.

Die größten Herausforderungen bei der Gruppenhaltung

Welche großen Herausforderungen birgt die Gruppenhaltung von tragenden Sauen?
Meiner Erfahrung nach sind Aggressionen eines der Hauptprobleme. Es liegt in der Natur der Sauen eine Rangordnung bilden zu wollen. Dies führt zu Rangkämpfen, Verletzungen und Stress, insbesondere am ersten Tag der Zusammenführung in einer neuen Gruppe. Kommt es zu Konkurrenzverhalten in der Gruppenhaltung kann es passieren, dass dominante Sauen rangniedere Tiere herumschubsen, um an zusätzliches Futter zu gelangen,  was dazu führt, dass es für schwächere Sauen schwieriger wird, ausreichend Futter zu erlangen.

Ein zu kleines Raumangebot und eine ungünstige Buchtengestaltung forcieren diese Aggression und schränken zudem die Ausweichmöglichkeiten ein. Der Wettbewerb um Ressourcen wie Futter, Wasser und Liegefläche kann zu einem ungleichmäßigen Ernährungszustand der Tiere und einem erhöhten Stresslevel bei schwächeren Sauen führen. Eine zweite Herausforderung ist die genaue Überwachung des Verhaltens der einzelnen Sauen, der Herdendynamik und des allgemeinen Gesundheitszustands, insbesondere bei großen Gruppen.

Reproduktionsleistung

Hat Gruppenhaltung auch Einfluss auf die Reproduktionsleistung?
Die Gruppenhaltung tragender Sauen sollte keinen Einfluss auf deren Fruchtbarkeit haben. Studien bestätigen unsere Beobachtungen, dass gut geführte und gut konzipierte Gruppenhaltungssysteme die Reproduktionsleistung nicht beeinträchtigen, sondern langfristig verschiedene Vorteile für die Gesundheit und Produktivität der Sauen bieten.

Wir dürfen hierbei aber nicht außer Acht lassen, dass die Trächtigkeitsraten von einem hohen Stresslevel der Sauen beeinträchtigt werden können. Akuter oder chronischer Stress, der durch umweltbedingte, soziale, metabolische oder immunologische Faktoren verursacht wird, wirkt sich direkt und indirekt auf die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit und die Zahl der lebend geborenen Ferkel aus.

Der Zeitpunkt der Umstallung

Wann ist der optimale Zeitpunkt, die Sauen in die Gruppenhaltung umzustallen?
Der beste Zeitpunkt für die Umstallung hängt auch von der nationalen Gesetzgebung ab. Nach den PROP 12-Vorschriften in den USA dürfen Sauen beispielsweise nur in bestimmten Fällen einzeln untergebracht werden. In Deutschland wird die Gruppenhaltung im Deckzentrum ab dem 09. Februar 2029 Pflicht, die Umbaupläne der Betriebe dazu mussten bereits 2024 bei den zuständigen Behörden eingereicht werden. Dürfen Sauen noch in Einzelhaltung aufgezogen werden, empfehle ich, sie entweder vor dem fünften Tag nach der Aufzucht oder nach dem 28. Tag (wenn die Gesetzgebung eine Aufstallung nach 35 Tagen erlaubt) umzusiedeln. So wird vermieden, dass die Sauen in der empfindlichsten Phase der Trächtigkeit – der Einnistungsphase – Stress ausgesetzt werden.

Der Zeitpunkt ist aber nicht der einzige entscheidende Faktor. Sorgen Sie für einen sanften Übergang bei der Gruppenbildung. Wenn möglich, sortieren Sie die Sauen nach Anzahl ihre Trächtigkeiten, Größe und/oder Körperkondition, um Aggressionen um das Futter zu vermeiden. Sorgen Sie für ausreichend Platz in der neuen Bucht, entfernen Sie bereits gesättigte Sauen, bieten Sie zusätzliches Futter bei der Ankunft an und sorgen Sie für eine interessante Umgebung zur Beschäftigung der Tiere. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, Aggressionen zu vermeiden und eine erfolgreiche Anpassung innerhalb der ersten Tage zu fördern.

Sorgsame Tierbeobachtung

Warum ist die tägliche Tierkontrolle so wichtig?
Die tägliche Kontrolle der Sauen durch ein gut geschultes Team ist für Reproduktionserfolg und die Langlebigkeit der Sauen unerlässlich. Achten Sie auf lahme oder zu lange liegende Sauen, prüfen Sie, ob diese nicht fressen und greifen Sie dann zeitnah ein und behandeln Sie die Saue gegebenenfalls. Identifizieren und entfernen Sie umrauschende Sauen aus der Gruppe, da sie durch ihr Verhalten, wie z.B. gesteigerte Unruhe und Bespringen, das soziale Gleichgewicht stören und das Risiko von Verletzungen bei den anderen Sauen erhöhen.

Ich bin davon überzeugt, dass gut gestaltete und geführte Gruppensysteme den Weg zu einer nachhaltigeren und tiergerechteren Sauenhaltung ebnen, ohne dabei die Produktivität zu beeinträchtigen.

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