Bei „Von Landwirt zu Landwirt“ geben Praktiker Einblicke in ihren Alltag

Die Schweinehaltung steht unter hohem Anpassungsdruck. Anforderungen an Tiergesundheit, Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Arbeitsorganisation und gesellschaftliche Akzeptanz verändern die Rahmenbedingungen vieler Betriebe spürbar. Umso wichtiger wird der fachliche Austausch zwischen Praktikern, die ihre Erfahrungen nicht aus der Theorie, sondern aus dem eigenen Stallalltag ableiten.
Genau hier setzte die Dialogveranstaltung „Von Landwirt zu Landwirt“ an. Topigs Norsvin, MSD Tiergesundheit, Trouw Nutrition Deutschland und AgroVision hatten gemeinsam zu einem Veranstaltungsformat eingeladen, das bewusst nicht als klassische Produktpräsentation angelegt war. Im Mittelpunkt standen vielmehr drei Betriebsleiter, die offen über ihre Entscheidungen, Investitionen, Managementmaßnahmen und Erfahrungen berichteten.
Die Reihe machte an drei Abenden im Juni in Süddeutschland Station: in der Tafernwirtschaft Schönbrunn bei Landshut, im Restaurant Grüner Baum in Herbolzheim und im Hotel Seligweiler in Ulm. Nach dem Einlass und der Begrüßung durch die Veranstalter standen drei Praxisvorträge im Mittelpunkt. Die Themen reichten vom neu erbauten Sauenstall über Maßnahmen zur Stabilisierung der Tiergesundheit bis hin zur effizienten Ferkelproduktion in konventioneller Haltung.
Nils Baureis: Erfahrungen aus dem neuen Sauenstall
Den Auftakt der Vortragsreihe machte Nils Baureis, Ferkelerzeuger und Mäster aus Schrozberg. Unter dem Titel „Meine Erfahrungen im neuen Sauenstall“ gab er einen detaillierten Einblick in Planung, Bau und Inbetriebnahme seines neuen Sauenstalls.
Der Betrieb liegt in Hohenlohe im Landkreis Schwäbisch Hall. Neben dem neuen Sauenstall aus dem Jahr 2024 gehören ein Maststall aus dem Jahr 2018, die alte Hofstelle mit Ferkelstall sowie die Nutzung der Biogaswärme des Nachbarn zum Betriebskonzept. Zudem arbeitet Baureis in einem Umfeld mit mehreren Zertifizierungen, darunter Hofglück, QS, Initiative Tierwohl, Ohne Gentechnik sowie Donau Soja und Europe Soya.
Baureis zeigte sehr praxisnah, dass ein Stallneubau nicht allein mit dem Baukörper endet. Entscheidend ist, ob die technischen Details im täglichen Arbeitsablauf funktionieren. Dazu zählte er unter anderem Jauche- und Wasserzisternen, Tränkebecken und Umlauftränken für Deck- und Wartesauen, isolierte Auslauftüren, einen funktionalen Wartestall, ein gut zugängliches Deckzentrum sowie Lösungen für Entmistung, Einstreu und Tierkontrolle.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Abferkelbereich. Baureis stellte Details wie Ferkelnester, Epoxidharzbeschichtung, Fußboden- und Wandheizung, Ferkelschieber, Rüttelrohr, Lappen im Ferkelnest und die Gestaltung des Ferkelliegebereichs vor. Gerade diese Punkte zeigen, wie stark Tierverhalten, Mikroklima und Arbeitswirtschaft miteinander verknüpft sind. Die ersten TN70-Sauen zogen am 25. Juni 2024 in den neuen Stall ein. Seitdem sammelt der Betrieb Erfahrungen damit, wie sich moderne Stalltechnik, Tierwohlanforderungen und praktikable Arbeitsabläufe miteinander verbinden lassen.
Sein Vortrag machte deutlich: Ein neuer Stall muss nicht nur genehmigungsfähig und technisch durchdacht sein, sondern im Alltag funktionieren. Gute Lösungen sind dort besonders wertvoll, wo sie Tierbeobachtung, Hygiene, Ferkelvitalität und Arbeitskomfort gleichzeitig verbessern.
Maximilian Reif: Tiergesundheit beginnt bei vielen kleinen Stellschrauben
Im zweiten Vortrag stellte Maximilian Reif, Ferkelerzeuger aus dem Ladnkreis Kulmbach, seinen Betrieb und konkrete unterstützende Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit vor. Reif Agrar ist ein vielseitig aufgestellter Familienbetrieb in Gößmannsreuth. Der 33-jährige Landwirtschaftsmeister arbeitet Vollzeit auf dem elterlichen Betrieb, der heute Ferkelerzeugung, Ackerbau, Lohnarbeiten, Landhandel und Energieerzeugung umfasst.
Die Ferkelerzeugung läuft mit 160 produktiven Sauen im Vier-Wochen-Rhythmus. In den vorgestellten Leistungsdaten nannte Reif 2,44 Würfe je Sau und Jahr, 14,83 lebend geborene Ferkel je Wurf, 13,16 abgesetzte Ferkel je Wurf und 32,11 abgesetzte Ferkel je Sau und Jahr. Seit 2023 sammelte der Betrieb erste Erfahrungen mit dem TN Tempo. Seit Januar 2024 wurde der Jungsauenzukauf auf die TN70 und der Einsatz des Endstufenspermas vollständig auf TN Tempo umgestellt.
Im fachlichen Mittelpunkt standen Maßnahmen, mit denen der Betrieb die Tiergesundheit stabilisieren will. Reif gliederte diese in mehrere Bereiche: Futterqualität, Darmgesundheit, Hygiene vor dem Abferkeln, Vermeidung von Keimeinträgen ins Ferkel, Maßnahmen während der Säugephase und Maßnahmen nach dem Absetzen.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Qualität des Futters. Der Betrieb setzt auf eigenen Mähdrescher sowie eigene Möglichkeiten zum Trocknen, Reinigen und Belüften. Hafer und Mais wurden bei guter Qualität als wertvolle Komponenten im Sauenfutter vorgestellt. Für die Darmgesundheit setzt Reif auf hochwertige Faserkomponenten wie Zuckerrübenschnitzel, Weizenkleie und Sojabohnenschalen. Auch die Wasserversorgung spielt eine wichtige Rolle; im Abferkelbereich erfolgt zu jeder Mahlzeit eine zusätzliche Wassergabe.
Sehr konkret wurde der Vortrag bei den Hygienemaßnahmen. Vor dem Abferkeln arbeitet der Betrieb mit gründlicher Reinigung, fettlösendem Reinigungsmittel, Breitbanddesinfektion, vorbereiteten Buchten und gewaschenen Sauen. Zur Senkung des Keimdrucks beim Ferkel nannte Reif unter anderem versiegelte Betonflächen, saubere Arbeitsabläufe rund um die Nabelversorgung, konsequente Spritzenhygiene und die Zwei-Messer-Methode beim Kastrieren.
Auch nach dem Absetzen bleibt das Management eng geführt. Reif stellte unter anderem den Einsatz von Klinoptilolith im Absetzfutter sowie strukturierte Maßnahmen zur Stabilisierung der Ferkel vor. Sein Fazit war bewusst bodenständig: Nicht immer ist die eine große Maßnahme entscheidend. Häufig sind es viele kleine Verbesserungen, die in Summe Tiergesundheit, Ferkelstabilität und Betriebserfolg verbessern.

Jonas Rieger: Effiziente Ferkelproduktion in konventioneller Haltung
Den dritten Vortrag hielt Jonas Rieger, Ferkelerzeuger aus Weldingsfelden im Hohenlohekreis. Sein Thema lautete „Effiziente Ferkelproduktion in konventioneller Haltung“. Die Rieger GbR wird gemeinsam mit dem Vater geführt und ist breit aufgestellt: Ackerbau, Lohnarbeiten, Hackschnitzelheizung mit Wärmenetz, Legehennen, Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht, Vermarktung und digitale Auswertung über AgroVision gehören zum Betrieb.
Im Bereich Ferkelerzeugung arbeitet der Betrieb mit 250 Muttersauen im Drei-Wochen-Rhythmus. Die erste Lieferung von TN70-Jungsauen erfolgte im Januar 2020. Rieger stellte heraus, dass effiziente Ferkelproduktion aus seiner Sicht vor allem aus konsequentem Management entsteht: klare Abläufe, passende Genetik, kontrollierte Fütterung, stabile Tiergesundheit und regelmäßige Auswertung der Leistungsdaten.
Ein Schwerpunkt lag auf der Fütterung. Der Betrieb nutzt eine eigene Mahl- und Mischanlage und achtet bei den Sauen auf eine grobe Futterstruktur. Kontrolliert wird diese regelmäßig mit der Schüttelbox. Im Deckzentrum setzt Rieger auf gezieltes Flushing, konsequente Rauschekontrolle und einen klaren Belegungsrhythmus. In der Wartehaltung arbeitet der Betrieb mit Gruppenhaltung, Strohbereich, Abruffütterung und angepassten Futterkurven.
Im Abferkelbereich stellte Rieger verschiedene Maßnahmen vor, die Ferkelvitalität und Aufzuchterfolg unterstützen sollen. Dazu zählen Wurfausgleich, Vorgriff, Elektrolyte in den ersten Lebenstagen, Milch und Prestarter ab dem dritten Lebenstag sowie das tägliche Spülen der Ferkeltränkebecken. Auch die Ferkelaufzucht wurde praxisnah dargestellt: Der Betrieb arbeitet mit Spotmix-Fütterung und CCM. Bei 47 Tagen Aufzucht wurden rund 33 Kilogramm Durchschnittsgewicht genannt.
Eine wichtige Rolle spielt für Rieger die digitale Auswertung. Über AgroVision werden Eingaben per App erfasst und Leistungsdaten regelmäßig kontrolliert. Die vorgestellten Auswertungen zeigten die Entwicklung des Betriebs eindrucksvoll: Die Zahl der abgesetzten Ferkel je Sau und Jahr stieg von 27,2 im Jahr 2021 auf 33,5 im Jahr 2026. Damit wurde deutlich, dass Leistungssteigerungen nicht durch Einzelmaßnahmen entstehen, sondern durch langfristiges, konsequentes Arbeiten an vielen Details.
Für die Zukunft plant Rieger unter anderem Anpassungen im Wartestall und im Deckzentrum. Auch hier wurde deutlich: Effizienz in der konventionellen Ferkelproduktion bedeutet nicht Stillstand, sondern kontinuierliche Weiterentwicklung im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten.